Ja, schön waren sie wirklich, diese tage in Apfelhausen, und sie sind noch nicht vorbei...
Zum ersten mal seit jahren habe ich einen baum aufgestellt, die krippe hatte ich jedes jahr. Ich weiß noch, wie ich sie gebaut habe. Mama hatte das ganze haus geputzt und wollte uns kinder lossein. Also ging Papa mit uns in den wald und ich hatte die tolle idee, material für einen krippenstall zu sammeln, weil wir die figuren schon hatten: sie waren als werbegeschenke in einer kaffeepackung drin, in jedem packerl eine. Heute würde kein mensch mehr dieses gesöff trinken, aber damals waren die leute eben bescheidener, weil notgedrungen sparsamer. Es gab keine kaffeefiltermaschinen, es wurde häferlkaffee gekocht, feigenkaffee und malzkaffee gemischt. Aus neugier habe ich das einmal ausprobiert ... grausam. Die steigerung konnte man auf dem land erleben, wenn die wohlmeinende hausfrau den kaffeetopf mit einer speckschwarte ausgeschmiert hatte, um ein "volleres" aroma (kaffeobersersatz) zu erzeugen (kotz). Auf jeden fall hatten wir brav diesen Lindekaffee (ohne speckschwarte) gesoffen (gibt es heute noch) und die figuren gesammelt. Logischerweise mußte der stall dazu, sonst waren die ja sinnlos. So kam ich am abend mit einem sack voll totholz mit wurmlöchern heim, ein baumschwamm war auch dabei, der sollte ein originelles dach werden. Natürlich mußte das alles gereinigt und desinfiziert werden und zwar sofort, sonst würde ich es nie tun. Mama war einverstanden, schließlich wollte sie kein ungeziefer im haus. Also her mit einem großen kochtopf, viel salz und lysoform hinein und bald zog ein würzig scharfer duft durch das frisch geputzte haus. Der ast für den hintergrund war etwas zu lang für den topf, also mußte der topf offen bleiben und der ast nach einiger zeit umgedreht werden, damit auch die würmer am anderen ende gefälligst ex gingen. Die küche war inzwischen mit fließwasser an den wänden bedeckt, alles voll dampf und ich mittendrin. Mama schaute nur kurz vorbei und ergriff die flucht. Am schluß kam mein schöner baumschwamm in den topf, damit war die katastrophe perfekt, denn dieser wurde zu einem übelriechenden formlosen gatsch, für nichts mehr zu gebrauchen... Die ausgekochten stücke wurden nun im schönsten zimmer auf zeitungspapier zum trocknen aufgelegt, meine mutter war fassungslos, aber sie sagte kein wort! Tja, sie hatte immer eine engelsgeduld mit uns, speziell ich war bisweilen sehr kreativ. Ein häufig gehörter stoßseufzer von ihr: von deiner schwester würde ich ein dutzend gar nicht bemerken, von deiner sorte eine zweite wäre eine katastrophe... Später sollte sich das umkehren ... Nun, Papa hat dann noch alten karton aufgetrieben und auch zugeschnitten, ich habe das ganze mit kleister betrichen und mit sand bestreut usw. und so ist das eben entstanden. Ich hatte eine traumkindheit, auch wenn wir vieles nicht hatten, was heute selbstverständlich ist, aber wir hatten einander und waren glücklich... Wenn ich diese krippe aufstelle, wird die erinnerung wieder lebendig, mit religion hat das aber nichts zu tun...
Ich wünsche allen, die die geduld aufgebracht haben, das zu lesen, schöne tage und einen guten rutsch ins 2009 mit allen schönen dingen, die man sich erträumt...
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